Welche Nierenerkrankungen gibt es?

Die häufigsten Nierenerkrankungen im Überblick

Die meisten Nierenerkrankungen und -funktionsstörungen verursachen keine Schmerzen und keine oder nur unspezifische Symptome. So macht sich der Funktionsabbau oftmals erst sehr spät bemerkbar. Bei Nierenerkrankungen wird zunächst zwischen chronischen und akuten Verläufen unterschieden: Dauert die Erkrankung mehr als drei Monate bis zu mehrere Jahre an, spricht man von einem chronischen Verlauf, der häufig eine Niereninsuffizienz mit verminderter Filterleistung zur Folge hat. Akute Nierenerkrankungen heilen in der Regel binnen Tagen oder Wochen ab.

Autorin: Viktoria Leitz

Bei Problemen mit den Nieren ist der Grossteil der Fälle auf eine der folgenden Erkrankungen zurückzuführen:

  • Niereninsuffizienz (akut und chronisch)
  • Diabetische Nephropathie
  • Nierenentzündung

– Glomerulonephritis

– Interstitielle Nephritis

– Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)

  • Nierensteine
  • Polyzystische Nierenerkrankungen (Zystennieren)
  • Nierenzellkarzinom

Niereninsuffizienz

Wenn die Nieren ihre Filterfunktion nicht mehr vollumfänglich erfüllen können oder sogar versagen, spricht man von einer Niereninsuffizienz.

Bei einer akuten Niereninsuffizienz fällt die Nierenleistung binnen weniger Stunden bis Tage schnell ab. Zu den Ursachen gehören ein erhöhtes Alter, vorbestehende Einschränkungen der Nierenfunktion, übermässige Eiweissausscheidung sowie Diabetes mellitus. Zu den Symptomen gehören eine verringerte Flüssigkeitsausscheidung, Ödeme und ein erhöhter Blutdruck. Später kommen Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Übelkeit, Appetitlosigkeit und Juckreiz dazu. Wird das akute Nierenversagen frühzeitig diagnostiziert und korrekt behandelt, können sich die Nieren davon wieder erholen.

Entwickelt sich das Problem schleichend über mehrere Monate oder Jahre, liegt eine chronische Niereninsuffizienz vor. Im Verlauf nimmt die Nierenfunktion immer weiter ab – meistens lange unbemerkt. Die häufigsten Ursachen für eine chronische Nierenerkrankung sind Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und arterielle Hypertonie (Bluthochdruck). Diese Form der Niereninsuffizienz ist zwar nicht reversibel, die Verschlechterung kann bei früher Diagnose und Behandlungsbeginn aber aufgehalten oder verlangsamt werden, um die fatalen Folgen für den ganzen Körper zu verhindern.

Diabetische Nephropathie

Die Diabetische Nephropathie ist kein klar definiertes Krankheitsbild, sondern die Summe der Folgen, die der hohe Blutzucker über die Jahre auf die Nieren hat. Der diabetische Stoffwechsel führt zu Entzündungen und Störungen der Filterfunktion und der dauerhaft hohe Blutzucker schädigt alle Gefässe im Körper, besonders die der Nieren. Die diabetische Nephropathie zeigt sich zuerst in einer erhöhten Eiweissausscheidung über den Urin (Albuminurie) und kommt häufig 10 bis 15 Jahre nach der Diabetes-Diagnose auf.

Nierenentzündungen

Nierenentzündungen können unterschiedliche Auslöser haben, die von Autoimmunerkrankungen und Medikamentenmissbrauch bis zu bakteriellen Infektionen reichen. Unterschieden werden sie nach dem Ort der Entzündung: 

Glomerulonephritis

Bei der Glomerulonephritis handelt es sich um eine Entzündung der Nierenkörperchen, der kleinen Filtereinheiten, die Schadstoffe aus dem Blut filtern. Die Ursachen sind noch nicht abschliessend geklärt, aber man geht von einer Autoimmunreaktion aus, bei der sich das körpereigene Immunsystem mit Antikörpern gegen das Nierengewebe richtet. Diese Vorgänge können unerkannt rasch zu einem Abfall der Nierenfunktion führen und sind eine der Hauptursachen für chronisches Nierenversagen. 

Interstitielle Nephritis

Liegt eine Entzündung der Nierenkanälchen und des umgebenden Gewebes vor, spricht man von einer interstitiellen Nephritis. Sie ist nicht selten die Folge eines Medikamentenmissbrauchs. Unterschieden wird sie in bakterielle und abakterielle Formen sowie in akut und chronisch.

Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)

Die bakterielle Infektion des Nierenbeckens resultiert meist aus einem aufsteigenden Harnwegsinfekt oder einer Blasenentzündung. Bleibt diese unbemerkt oder wird sie nur unzureichend behandelt, steigen die Bakterien auf und verursachen eine Infektion im Nierenbecken. Unter einer Behandlung mit Antibiotika heilt die Pyelonephritis meistens folgenlos und rasch ab. In seltenen Fällen verläuft sie chronisch, mit weniger starken Beschwerden. Zu den Symptomen gehören vor allem Schmerzen in der Nierengegend, Brennen beim Wasserlassen, Fieber und Schüttelfrost sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl. Liegt ausserdem ein Harnstein vor, kommen gegebenenfalls kolikartige Schmerzen hinzu. 

Nierensteine

Kristalline Ablagerungen oder die Verklumpung vieler kleiner Steinchen aus Nierengriess im Nierenbeckenkelchsystem werden als Nierensteine, fachsprachlich Nephrolithen, bezeichnet. Kleinere Steinchen und Nierengriess können einfach über den Urin ausgespült werden. Sie entstehen aufgrund eines Ungleichgewichts von steinlösenden und steinbildenden Substanzen, beispielsweise durch eine unausgewogene Ernährung mit zu vielen Milchprodukten, zu viel Vitamin D oder zu wenig Vitamin A, durch einen Flüssigkeitsmangel oder verschiedene Medikamente. Sind die Nierensteine zu gross, um den Harnleiter zu passieren oder die Niere zu verlassen, kommt es zu Nierenkoliken. Typische Symptome sind plötzlich und in Wellen auftretende Schmerzen, die in die Flanke, die Leiste und bis in den Genitalbereich ausstrahlen. Hinzu kommen in manchen Fällen Übelkeit und Erbrechen, Schüttelfrost und Fieber sowie eine Darmlähmung mit Blähbauch. Darüber hinaus zeigen sich gegebenenfalls Schmerzen beim Wasserlassen und Blut im Urin. Sind die Steine nicht zu gross, kann eine Operation meistens mit einer erhöhten Flüssigkeitszufuhr und krampflösenden Medikamenten umgangen werden. Sollte eine Spontanausscheidung nicht ausreichen, werden die Steine mittels Stosswellen von aussen zertrümmert (extrakorporale Stosswellenlithotripsie) und die nun kleinsten Stückchen werden mit dem Urin ausgeschieden. Bei einer Harnleiter- oder Nierenspiegelung können Harnsteine ausserdem per Ureterorenoskopie direkt mit Instrumenten entfernt werden. Nur bei grossen Steinen wird die Niere direkt punktiert. Mit einem Nephroskop werden die Steine zerkleinert und herausgeholt. 

Polyzystische Nierenerkrankungen (Zystennieren)

Unter polyzystische Nierenerkrankungen fallen mehrere Nierenerkrankungen zusammen, die alle die Zystennieren gemeinsam haben. Meistens gehen sie auf eine erbliche Erkrankung zurück, bei dem es zur vermehrten Bildung von Epithelgewebe kommt, aus dem sich Zysten entwickeln. Der Verlauf ist in der Regel chronisch und führt nicht selten zum Versagen einer oder beider Nieren. Erste Symptome sind Rückenschmerzen, Blut im Urin, Harnwegsinfektionen und Nierensteine sowie Bluthochdruck. Gerade bei vermehrtem Auftreten von Nierenerkrankungen in der Familie sollte man mindestens einmal pro Jahr die Nieren einem Check-up unterziehen. 

Nierenzellkarzinom

Das Nierenzellkarzinom ist einer der häufigsten bösartigen Tumoren an der Niere. Er macht zirka 95 Prozent aller Nierentumoren aus und entwickelt sich aus den Zellen der Nierenkanälchen (Tubuli). Rauchen, Bluthochdruck und Übergewicht gehören zu den Risikofaktoren. Wie die meisten Nierenerkrankungen verursachen Nierenzellkarzinome zunächst kaum Beschwerden und werden eher per Zufall bei einer Untersuchung der Nieren entdeckt. Blut im Urin, Gewichtsverlust, Schmerzen und tastbare Veränderungen im Bereich der Nieren können Hinweise sein. Früh erkannt lässt sich Nierenzellkrebs im Anfangsstadium sehr gut behandeln.

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