Stadien einer chronischen Nierenerkrankung

Prognose, Lebenserwartung und Behandlung

Eine chronische Nierenerkrankung verläuft schleichend – häufig lange symptomfrei und unbemerkt. Einmal diagnostiziert, ordnen Mediziner den Verlauf anhand von fünf Stadien ein, welche sich an der glomerulären Filtrationsrate (GFR) messen, die Auskunft über die Filterleistung der Nieren gibt.

Autorin: Viktoria Leitz

Die glomeruläre Filtrationsrate (GFR)

Der Wert der glomerulären Filtrationsrate sagt aus, wie viel Blut die Nieren pro Minute filtern können: Bei gesunden Nieren sind das zirka 95 bis 110 Milliliter Blut pro Minute, welche von harnpflichtigen Substanzen gereinigt werden. Mit dem Fortschreiten einer chronischen Nierenerkrankung verschlechtert sich dieser Wert, und damit die Filterleistung zunehmend.

 

Stadium 1

Im ersten Stadium einer chronischen Nierenerkrankung liegt die glomeruläre Filtrationsrate noch bei mindestens 90 Millilitern Blut, die minütlich von den Nieren gereinigt werden. Dadurch ist der Kreatinin-Spiegel bei einem Bluttest noch im Normbereich, bei einem Urintest können sich aber bereits Eiweisse im Urin finden – die auf einen Schaden an den Nieren hindeuten. Betroffene bemerken in diesem Stadium häufig keinerlei Symptome und eine Problematik wird meistens eher per Zufall entdeckt, wenn beispielsweise aufgrund eines erhöhten Risikos ein Albumin-Urintest gemacht wird oder wenn sich bei einem Ultraschall eine Veränderung der Nieren zeigt. Zu diesem Zeitpunkt lässt sich einer weiteren Abnahme der Nierenfunktion sehr gut entgegenwirken. 

 

Stadium 2

Das zweite Stadium zeigt sich in einer deutlich verringerten Filtrationsleistung mit einem GFR von 60 bis 89 Millilitern pro Minute. Auch in diesem Stadium klagen Betroffene selten über Beschwerden. Es können zwar erste Symptome wie Wassereinlagerungen (Ödeme), erhöhter Blutdruck, Blutarmut, Leistungsabfall und Erschöpfung, verfärbter Urin oder ein veränderter Knochenstoffwechsel auftreten, sie werden aber oftmals nicht direkt wahrgenommen oder auf andere Ursachen zurückgeführt.

 

Stadium 3

Das nächste Stadium kennzeichnet sich durch eine nicht mehr ausreichende GFR von 30 bis 59 Millilitern, sodass harnpflichtige Substanzen nicht mehr vollumfänglich aus dem Blut gefiltert werden. Die Folge: Kreatinin und Harnstoff sind in den Blutwerten erhöht. Da dennoch die Ausscheidung in ausreichender Menge erfolgt, wird diese Phase auch als kompensierte Retention betitelt, in der der Körper die eingeschränkte Funktion immer noch ausgleichen kann. 

 

Stadium 4

Liegt die GRF nur noch bei 15 bis 29 Millilitern, bedeutet das Stadium vier: die dekompensierte Retention. Jetzt steigt die Menge harnpflichtiger Substanzen im Blut deutlich an und die Beschwerden nehmen merklich zu. Dazu gehören Übelkeit, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Nerven- und Knochenschmerzen sowie Juckreiz. Darüber hinaus bilden sich vermehrt Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme) der Beine und des Gesichts. Die körperliche Leistungsfähigkeit reduziert sich aufgrund der Übersäuerung (Störungen im Säure-Basen-Haushalt), welche Muskeleiweisse abbaut.

 

Stadium 5

Die Nieren haben ihre Funktion nun massiv eingeschränkt oder sogar ganz eingestellt: Bei einer Filtrationsrate von 5 bis 15 Millilitern sprechen Mediziner von einer terminalen Niereninsuffizienz beziehungsweise von Nierenversagen. Weil die Nieren nicht mehr in der Lage sind, das Blut zu reinigen, muss diese Aufgabe von Ersatzverfahren übernommen werden. Das bedeutet Dialyse oder Transplantation. Bis eine Spenderniere zur Verfügung steht, was unter Umständen mehrere Jahre dauern kann, ist die Blutwäsche durch die Dialyse lebensnotwendig. Diese Form der künstlichen Blutfilterung kann die Leistung einer gesunden Niere nicht ersetzen, die Zeit bis zur Transplantation aber überbrücken. Nebenwirkungen sind die Einlagerung harnpflichtiger Substanzen in der Haut, was häufig Juckreiz und eine Gelbfärbung zur Folge hat, manchmal Herzrhythmusstörungen, Wadenkrämpfe, Wahrnehmungsstörungen und Verwirrtheit sowie Bewusstlosigkeit.

 

Prognose und Lebenserwartung

Je früher eine CKD (chronic kidney disease) erkannt wird, desto höher ist die Chance, das Fortschreiten zu verlangsamen oder verhindern und die Nierenfunktion zu erhalten. Gerade für Patienten, die bereits über einen oder mehrere Risikofaktoren verfügen, lohnt sich die regelmässige Prüfung der Nierenfunktion, beispielsweise über einen Urintest, der schon in einem frühen Stadium Hinweise liefert.

Grundsätzlich ist die Prognose von vielen weiteren Faktoren abhängig wie Alter, Geschlecht, Lebensweise (Ernährung und Bewegung) und Begleit- und Folgeerkrankungen, beispielsweise Adipositas, Diabetes mellitus, Bluthochdruck und vielen mehr. Im Gegensatz zur Dialyse haben Patienten, die eine Spenderniere erhalten, eine höhere Lebenserwartung

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