Diagnose und Screening von CKD im Labor

Welche Werte erhoben werden, um eine chronische Nierenerkrankung nachzuweisen

Liegt der Verdacht auf eine chronische Nierenerkrankung vor, werden zur Diagnosestellung Blut und Urin im Labor untersucht. Prof. Dr. med. Risch erläutert, welche Parameter dabei hauptsächlich herangezogen werden und wie die Werte Aufschluss über eine mögliche CKD geben.

Autorin: Viktoria Leitz

«Im Labor werden insbesondere zwei Faktoren untersucht: Gibt es Hinweise auf eine verringerte Nierenfunktion und liegt eine Nierenschädigung vor?», erklärt Prof. Risch. Das für die Untersuchung erforderliche Blut und Urin kann einfach in der Hausarztpraxis abgenommen und dort analysiert oder auch ins Labor gesendet werden. In der Regel liegen die Ergebnisse innerhalb eines Tages vor.

Die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate

Die Nierenfunktion wird über einen Bluttest erfasst. Dabei misst man den Wert von Kreatinin im Blut, einem Stoffwechselprodukt, welches zusammen mit weiteren Parametern wie Alter, Muskelmasse und Geschlecht zeigt, wie gut die Nieren das Blut reinigen können. Der daraus resultierende Wert ist die sogenannte geschätzte glomeruläre Filtrationsrate, kurz eGFR. «Bei Personen mit einer verringerten Muskelmasse, beispielsweise aufgrund einer Lähmung oder Leberproblemen, kann man noch einen anderen Marker einsetzen, um die eGFR zu beurteilen. Da sich in solchen Fällen die Kreatininproduktion verändert, sieht man sich dann das Cystatin-C an, ein weiteres Protein, das als Marker im Blut untersucht werden kann.»

Die Albumin-Kreatinin-Ratio

Um zu erfahren, ob die Nieren bereits geschädigt sind, wird im Labor der Urin untersucht. «Früher nutzte man dafür häufig den 24-Stunden-Sammelurin, das ist aber nicht mehr notwendig. Man kann einfach eine Urinprobe bei seinem Arzt abgeben und diese wird dann ins Labor gesendet oder im praxiseigenen Labor untersucht», weiss der Experte. Bei der Urinuntersuchung sieht man sich das Albumin und Kreatinin sowie deren Verhältnis zueinander, die sogenannte Albumin-Kreatinin-Ratio (uACR), an. Wird zu viel des Eiweisses Albumin nachgewiesen, deutet dies auf eine Schädigung der Nieren hin.

«Es gibt Zustände, die mit einer normalen Nierenfunktion einhergehen. Die Nieren können immer noch in der Lage sein, das Blut gut zu filtrieren, obwohl sie bereits geschädigt sind. Daher ist der Urintest für die Früherkennung so wichtig, damit man eine weitere Schädigung verzögern oder verhindern kann», erläutert Prof. Risch.

Wie eGFR und uACR das Stadium einer chronischen Nierenerkrankung bestimmen

Wie weit eine chronische Nierenerkrankung fortgeschritten ist, setzt sich aus verschieden Abstufungen der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (moderate bis stark erniedrigte Filterleistung) sowie der Albumin-Kreatinin-Ratio (Ausprägung der Nierenschädigung) zusammen. Die eGRF umfasst fünf Stufen beginnend bei eins, wenn die Nieren mehr als 90 Milliliter Blut pro Minute filtern können, bis hin zu Stufe fünf, wenn es weniger als 15 Milliliter pro Minute sind. Die Nierenschädigung teilt sich in drei Stufen ein: von unter 30 mg Albumin bis zu mehr als 300 mg im Urin. «Beide Werte aus Blut und Urin zusammengenommen ergeben das Stadium einer chronischen Nierenerkrankung. Mindestens einmal pro Jahr werden diese Werte bei Nierenpatienten erhoben, je nach Stadium häufiger, um gegebenenfalls den Behandlungsplan anzupassen. Auch Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, urologischen Diagnosen oder einer nierenschädigenden Medikation sollten die Nieren einmal im Jahr checken lassen», rät der Arzt.

Bei einer chronischen Nierenerkrankung entscheiden noch andere Parameter, ob Betroffene beispielsweise zur Dialyse müssen: Während die Kreatinin- und Albumin-Messungen für die Diagnose herangezogen werden und eine gewisse Prognose liefern, richtet sich die Behandlung immer nach den weiteren Befunden und wird individuell angepasst. Dabei spielen der Kalzium-Phosphat-Stoffwechsel, Blutdruck, Blutfette, Säuren-Basen-Haushalt oder Elektrolytstörungen ebenfalls eine Rolle.

Höhere Werte? Nicht immer eine CKD

«Von der chronischen Nierenerkrankung abzugrenzen sind die akuten Nierenerkrankungen. Diese können zu Schädigungen der Nieren und zu Funktionsstörungen führen, die sich aber wieder erholen», differenziert der Experte. Sieht man sich die Laborwerte an, sind die Zeitverhältnisse sehr wichtig: Erst wenn die Werte für mindestens drei Monate verändert sind, geht man von einer chronischen Nierenerkrankung aus. Diese kann die Folge einer akuten Störung sein, das muss jedoch nicht passieren. 

Der Experte

Prof. Dr. Lorenz Risch am Mikroskop

Prof. Dr. med.

Lorenz Risch

FMH Allg. Innere Medizin, FAMH Labormedizinische Analytik, Chief Medical Officer des Labors Dr. Risch

FMH Allg. Innere Medizin, FAMH Labormedizinische Analytik, Chief Medical Officer des Labors Dr. Risch

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